Schmutzfrachtvariante
Die Schmutzfrachtvariante ist das Berechnungsobjekt für die Schmutzfrachtberechnung im Kanalnetz und baut auf einer bereits vorhandenen Hydraulikvariante auf. Sie ermittelt, welche Stofffrachten – vor allem CSB und AFS63 – bei Mischwasserentlastungen ins Gewässer gelangen, und bewertet diese nach den Anforderungen des Arbeitsblatts DWA-A 102 anhand eines fiktiven Zentralbeckens im Modul Flow.
Grundlage der Auswertung sind die Funktionalen Einheiten (FE): Jedes relevante Entlastungsbauwerk im Kanalnetz wird einer FE zugeordnet, sodass die Ergebnisse strukturiert je Bauwerk oder für das Gesamtsystem ausgewertet werden können – entweder automatisch über den Kontextmenüpunkt „FEs aus echten Entlastungsbauwerken erzeugen" oder manuell.
Der Bearbeitungsdialog der Schmutzfrachtvariante gliedert sich in vier Bereiche: Flow (Grundeinstellungen und Schmutzstoffe), Gesamtspeichervolumen nach DWA-A102 (vollständiger Bemessungsgang), Zentralbecken (Struktur und Parameter des fiktiven Beckens) sowie Ergebnisse (Bilanzwerte, Vergleich Zentralbecken – reales System, Nachweisverfahren je FE). Die folgenden Abschnitte beschreiben Kontextmenü, Dialog und Auswertung im Detail.
Inhaltsverzeichnis
Objektebene
Dialog
Der Dialog zur Schmutzfrachtvariante (Kontinuum) gliedert sich in vier Bereiche:
- Flow
- Gesamtspeichervolumen nach DWA-A102
- Zentralbecken
- Ergebnisse
Flow
Der Reiter "Flow" enthält die Grundeinstellungen der Schmutzfrachtberechnung.
- Checkbox „Tabellarische Ergebnisse für alle Einzelregen ausgeben": gibt die Ergebnisse zusätzlich für jedes einzelne Regenereignis tabellarisch aus. Da dies bei Langzeitsimulationen die Ergebnismenge deutlich vergrößert, sollte die Option je nach Bedarf gezielt aktiviert werden.
Erweiterte Optionen
Button „Erweitert...": öffnet weitere, seltener benötigte Optionen zur Ergebnisausgabe.
Optionen für Funktionale Einheiten (FE)
- Trockenwetterabweichung [%]: definiert die zulässige Abweichung vom Trockenwetterabfluss. Sie dient der Unterscheidung zwischen Trockenwetter- und regenbedingten Abflussanteilen und beeinflusst dadurch die Bilanzierung von Zulauf-, Weiterleitungs- und Entlastungsvolumina sowie die daraus berechneten Schmutzfrachten.
- Berücksichtigung der Abschnitte als Kanalstauraumvolumen über DN: legt die DN-Grenze fest, ab der Haltungen bei der Ermittlung des vorgelagerten Kanalstauraumvolumens berücksichtigt werden. Über den Pfeil-Button wird der aktuell in der Hydraulikvariante eingestellte Wert übernommen.
Entlastungsereignis
- Ereignistrennzeit [min]: Mindestzeitabstand, ab dem zwei Entlastungsspitzen als getrennte Entlastungsereignisse gezählt werden (analog zur Regentrennzeit bei den Regendaten).
- Grenzdurchfluss [l/s]: Mindestabfluss, ab dem eine Entlastung überhaupt als eigenes Ereignis gewertet wird.
Schmutzstoffe der Variante
Stammwert CSB
Liste aller für diese Variante angelegten Schmutzstoffe (im Standardfall CSB - Chemischer Sauerstoffbedarf und AFS63 - Abfiltrierbare Stoffe). Über Neu, Löschen und Übernehmen können weitere Schmutzstoffe ergänzt, entfernt oder geänderte Werte gespeichert werden. Für den jeweils markierten Schmutzstoff stehen folgende Felder zur Verfügung:
- Kurzbezeichnung und Beschreibung
- Konzentrationseinheit (Standard: mg/l)
- Konzentrationen für Wasserarten: Häusliches SW, Gewerbliches SW, Fremdwasser, Regenwasser (MW), Regenwasser (RW) – hinterlegt die Grundkonzentration des Schmutzstoffs je Wasserart
Stammwert AFS63
- Projektweite Potentiale (Potential MW/RW): projektweite Vorschlagswerte, sofern globale Potentiale hinterlegt sind
- Button „Zusätzliche Gewerbliche SW": öffnet die Verwaltung individueller Konzentrationen für einzelne gewerbliche Einleiter
Die übergabe der Kategorien erfolgt auf der Objektebene (Flächen), daher muss dieser Arbeitsschritt vor dem Ausführen der Hydraulikvariante erfolgen. Nachträgliche Veränderungen an den Kategorien erfordern immer eine Neuberechnung der Hydraulikvariante!
Gesamtspeichervolumen nach DWA-A102
Das Gesamtspeichervolumen dient zur Ermittlung des spezifischen Speichervolumens und daraus resultierend ergibt sich das erforderliche Gesamtvolumen für das Zentralbecken.
Dieser Reiter bildet den vollständigen Bemessungsgang nach Arbeitsblatt DWA-A 102 als Tabelle ab (Spalten: Nr., Bezeichnung, Symbol, Wert, Dimension). Die Zeilen sind grob in drei Gruppen gegliedert:
- Projektbezogene Eingabedaten (u. a. mittlere Jahresniederschlagshöhe, angeschlossene befestigte Teilflächen je Belastungskategorie, mittlere Geländeneigungsgruppe, Trockenwetter- und Regenabfluss)
- Ergebniswerte Eingabedaten (daraus abgeleitete Flächenanteile und Konzentrationen)
- Feste Einstellungen (z. B. CSB-Konzentration im Regenwasserabfluss und im Kläranlagenablauf)
Über das Pfeil-Symbol am Ende jeder Zeile kann der jeweilige Wert einzeln aus der Hydraulikvariante bzw. dem Modell übernommen werden; über das Symbol oben rechts in der Wert-Spalte lassen sich alle Werte auf einmal übernehmen. Alle Werte können anschließend projektspezifisch angepasst werden.
Wenn die Werte aus der Hydraulik (DYNA) übernommen wurden erscheinen diese in grüner Farbe! Werden einzelne Werte manuell eingetragen erscheinen diese in Schwarzer Farbe.
Die Berechnung des Gesamtspeichervolumens erfolgt immer mit jeder Veränderung und muss nicht nochmals explizit ausgeführt werden! Endergebnis der Berechnung ist Zeile 41, das erforderliche Gesamtspeichervolumen, das in die weitere Bemessung (z. B. des Zentralbeckens) einfließt.
Zentralbecken
Bilanzierungsansatz für die Austräge des Zentralbeckens im Modul FLOW:
Anforderungen an das Zentralbecken nach dem DWA A102
- Ermitteltes Gesamtspeichervolumen zentral vor der Kläranlage als Durchlaufbecken im Nebenschluss
- Rückstaufreier Zufluss zum Zentralbecken
- Drosselabfluss des Zentralbeckens entspricht dem Zufluss zur biologischen Reinigungsstufe
- Vorgeschalteter Beckenüberlauf
- Klärüberlauf, ausgelegt auf den kritischen Mischwasserabfluss
- Einheitlicher Sedimentationswirkungsgrad mit 10 %
- Berücksichtigung des Kläranlagenablaufs
Umsetzung der Anforderung in FLOW:
- Erzeugung der festen Struktur als Durchlaufbecken im Nebenschluss mit vorgeschaltetem Beckenüberlauf.
- Übernahme des Mischwasserzuflusses als Zufluss zur biologischen Reinigungsstufe (QM), Parameter ist anpassbar.
- Fangteil des Zentralbeckens mit zugeordnetem Gesamtspeichervolumen laut Formblatt und Anforderungen an Klärüberlauf und Sedimentationswirkungsgrad, Parameter sind anpassbar.
- Berücksichtigung des Frachtaustrags am Ablauf der Kläranlage, umgesetzt nach Definition DWA A102-2, Gl. 32.
Einstellungen Zentralbecken
Der Dialog stellt die Struktur des Zentralbeckens als Fließschema dar (Beckenüberlauf → Trennbauwerk → Zulauf Kläranlage → Kläranlage, mit Zentralbecken und Klärüberlauf als weiteren Stationen). Folgende Werte sind editierbar:
- Drossel [l/s] im Feld „Zulauf Kläranlage" – Drosselabfluss zur biologischen Reinigungsstufe
- Gesamtvolumen [m³] im Feld „Zentralbecken" – aus dem DWA-A102-Bemessungsgang übernommenes bzw. angepasstes Speichervolumen
- Beschränkung [l/(s·ha)] und Sedimentationswirkungsgrad im Feld „Klärüberlauf"
- Frachtaustrag der Kläranlage: über die Checkbox „Frachtaustrag berücksichtigen" aktivierbar, mit den Feldern AFS63- und CSB-Frachtaustrag (mg/l), berechnet nach DWA-A 102-2 / BWK-A 3-2, Abschnitt 8.4.4.2
Mit dem A102 sollen die Schmutzfrachten der Kläranlage mit bilanziert und ausgegeben werden. Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit sowohl eine individuelle Konzentration für AFS63 oder CSB anzugeben.
Die Felder „Fracht AFS63" und „Fracht CSB" an den einzelnen Stationen (Beckenüberlauf, Zulauf Kläranlage, Kläranlage, Klärüberlauf) sowie „Messjahr", „davon" und „Simulationszeit" zeigen die berechneten Ergebnisse an, sobald die Variante gerechnet wurde.
Im Bilanzierungsansatz werden zunächst die Ströme innerhalb des Zentralbeckens, welches nach DWA A102 als Durchlaufbecken im Nebenschluss anzusetzen ist, betrachtet. Durch die Einschränkungen, welche das Merkblatt vorgibt, entstehen während der Simulationszeit ggf. Entlastungsereignisse. Ein Vorteil dieses Ansatzes ist die Nachvollziehbarkeit der Stoffausträge an den Überläufen. Durch die berechneten Durchflussmengen lassen sich die Entlastungsfrachten auch händisch ermitteln und Plausibilitätsprüfungen durchführen. Durch Parametrisierung innerhalb des Zentralbeckens kann man dies individuell an die Erfordernisse anpassen.
Ergebnisse
Der Reiter „Ergebnisse" fasst die Ergebnisse für das Mischverfahren zusammen und hält sich an die Anforderungen und Darstellungen aus dem Beispiel der A102-2.
Bilanzwerte Stoffaustrag
Bilanzwerte des Regenwasserabflusses (Jahresniederschlagshöhe, Jahresregenwasserabflussvolumen, spezifischer Regenwasserabfluss, mittlerer Jahresabflussbeiwert) sowie – jeweils getrennt für AFS63 und CSB – Frachtabtrag Regenwasserabfluss, flächenspezifischer Frachtabtrag und mittlere Abflusskonzentration.
Vergleich Fiktives Zentralbecken – Reales System
stellt für AFS63 und CSB die Werte des durchgerechneten fiktiven Zentralbeckens den Werten des tatsächlichen (realen) Systems gegenüber – Entlastungsfracht, Entlastungskonzentration, Entlastungsfrachtrate, Frachtaustrag Kläranlage und Frachtaustrag insgesamt. So lässt sich auf einen Blick beurteilen, wie stark sich reales System und vereinfachtes Zentralbecken unterscheiden.
Ergebnisse des Nachweisverfahrens für Stoffparameter AFS63 und CSB
listet je Funktionaler Einheit Volumen, QDr, Einstautage/-stunden pro Jahr, Ve,MWÜ, Entlastungsrate es, Frachtaustrag SF sowie mittlere Ablaufkonzentration Ce – jeweils für AFS63 und CSB (weitere Spalten über die horizontale Bildlaufleiste erreichbar). Über die Spaltenköpfe („Sortieren") lässt sich die Tabelle nach jeder Spalte sortieren; die letzte Zeile zeigt die Summe/Gesamtwerte über alle Funktionalen Einheiten.
Messjahre
Im Hydraulikmenü einzustellen:
- Ein Wiki-Button neben dem Feld „Messjahre" verlinkt direkt auf diese Beschreibung.
- Ist „Schmutzfracht" ausgewählt, wird zusätzlich ein Ausrufezeichen-Symbol neben den Messjahren angezeigt, das auf die Pflicht zu ganzen Jahren hinweist.
Das Feld „Messjahre" ist sowohl für Hydraulik- als auch für Schmutzfrachtberechnungen relevant, verhält sich aber je nach ausgewähltem Berechnungstyp unterschiedlich:
- Hydraulik: Hier können beliebige Zahlen als Messjahre eingetragen werden, es gibt keine Einschränkung auf ganze Jahre.
- Schmutzfracht: Hier gilt die bestehende Logik, dass nur ganze Jahre als Messjahre zulässig sind.
Warum ganze Jahre bei der Schmutzfracht wichtig sind
Der AFS63-Parameter wird über die sogenannten Potentiale nach DWA-A 102 immer jahresweise hinzugegeben. Deshalb ist die korrekte, auf ganze Jahre gerundete Eingabe der Messjahre bei der Schmutzfracht besonders wichtig. Aus demselben Grund müssen auch die Regendaten jahresweise getrennt werden – andernfalls kann es bei längeren Regenereignissen, die über einen Jahreswechsel hinausreichen, zu Verfälschungen der berechneten AFS63-Fracht kommen.

