Flächen zu Haltungen zuordnen
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Automatische Zuordnung der Flächen zu den Haltungen
Im Kanalnetz-Modell gibt es zwei getrennte Objekte, die zueinander passen müssen:
- Teilfläche / Gebiet – das gezeichnete Polygon (Grundstück, Straßenabschnitt, Einzugsgebiet), das den Niederschlag sammelt.
- Haltung – der Kanalabschnitt (Rohr), in den dieser Niederschlag eingeleitet wird.
Eine Teilfläche „gehört" erst dann wirklich zum Netz, wenn sie einer Haltung zugewiesen ist – erst dann fließt ihr Abfluss in die hydraulische Berechnung ein. Bei großen Projekten mit tausenden Flächen ist das manuelle Zuordnen unpraktikabel, deshalb gibt es die automatische Zuordnung.
Aufgerufen wird sie über den Dialog „Automatisch zuordnen". Dort wählt man eine von vier Methoden, je nachdem, welche Information zur Verfügung steht (Geometrie, Gelände, oder bereits vorhandene Flächendaten).
Die vier Methoden
Methode 1: Haltungsweise – „Was liegt unter mir?"
Prinzip: Für jede Haltung wird ihr Mittelpunkt bestimmt. Dann wird geprüft, in welchem Gebiets-Polygon dieser Punkt geometrisch liegt. Liegt der Haltungsmittelpunkt in einer noch nicht zugeordneten Fläche, wird genau diese Fläche der Haltung zugewiesen.
Bildlich: Die Haltung „steht" auf einer Fläche und beansprucht sie automatisch für sich – wie ein Stempel, der nach unten schaut.
Wann sinnvoll: Wenn die Flächenpolygone die Straßen/Grundstücke sauber abbilden und jede Haltung tatsächlich unter „ihrer" Fläche verläuft (klassischer Fall: Straßenzug mit angrenzenden Grundstücksflächen).
Methode 2: Gebietsweise – „Wer ist die nächste Haltung?"
Prinzip: Umgekehrter Blickwinkel. Für jede noch nicht zugeordnete Fläche wird ihr Flächenschwerpunkt berechnet. Von dort aus wird innerhalb eines einstellbaren Suchradius die nächstgelegene passende Haltung gesucht. Ist der Fläche bereits eine Straße bekannt, wird bevorzugt eine Haltung auf genau dieser Straße gewählt – erst wenn keine gefunden wird, zählt nur noch die reine Entfernung.
Bildlich: Von der Mitte der Fläche aus wird ein Kreis mit dem Suchradius gezogen; die nächste brauchbare Haltung in diesem Kreis gewinnt.
Wann sinnvoll: Wenn die Flächen nicht direkt über einer Haltung liegen (z. B. Grundstücke, die erst über eine Zuleitung an den Kanal angeschlossen sind), aber die Nähe ein guter Indikator ist.
Methode 3: Nach Geländemodell – „Wohin fließt das Wasser wirklich?"
Prinzip: Wie Methode 2, aber statt der reinen Luftlinien-Entfernung wird die Geländeneigung aus einem hinterlegten digitalen Geländemodell (DGM) am Flächenschwerpunkt ausgewertet. Es wird ein Suchvektor in Fließrichtung (hangabwärts) aufgespannt, und entlang dieser Richtung wird die passende Haltung gesucht.
Bildlich: Statt „wer ist am nächsten" wird gefragt „wohin würde ein Regentropfen von hier aus laufen" – und dort wird die Haltung gesucht.
Wann sinnvoll: In topographisch bewegtem Gelände, wo die nächstgelegene Haltung nicht zwangsläufig die hydraulisch richtige ist (z. B. Hanglagen, wo der Abfluss an der nächsten Straße vorbeifließt).
Methode 4: Nach Daten – „Passt das zu einer bereits vorhandenen Flächenangabe?"
Prinzip: Diese Methode setzt voraus, dass bereits Flächendaten importiert wurden (z. B. aus einer GIS-Quelle oder Datenbank), die aber noch keiner Gebiets-Geometrie zugeordnet sind – etwa reine Flächengrößen-Angaben mit Namen. Für jedes Gebiet wird in der Nähe nach einer solchen unverknüpften Flächenangabe gesucht:
- entweder per Namensabgleich (gleicher oder ähnlicher Flächenname in der Nähe), oder
- per Flächengrößen-Abgleich: Unter den Flächenangaben benachbarter Haltungen wird diejenige gewählt, deren m²-Wert der tatsächlichen Polygonfläche am nächsten kommt – innerhalb einer einstellbaren Toleranz in Prozent.
Bildlich: Man hat einen Zettel mit „Fläche XY, 340 m²" ohne Ortsangabe, und sucht in der Nähe passender Haltungen nach einem Polygon, dessen Größe am besten zu diesem Zettel passt.
Wann sinnvoll: Beim Datenabgleich mit externen Quellen (Kataster, Fremdsystem), wenn Sachdaten und Geometrie getrennt vorliegen und zusammengeführt werden müssen.
Gemeinsame Einstellungen im Dialog
| Parameter | Bedeutung |
|---|---|
| Suchradius | Maximale Entfernung, bis zu der eine Haltung/Fläche als Kandidat gilt |
| Toleranz (%) | Nur bei „Nach Daten" – wie stark dürfen sich Ist- und Soll-Flächengröße unterscheiden, damit sie noch als Treffer gilt |
| Entwässerungssystem-Filter | Schränkt die Suche auf Mischwasser-, Regenwasser- oder Schmutzwasserhaltungen ein |
| Nur markierte Flächen | Bearbeitet nur zuvor markierte/selektierte Flächen, statt aller |
| Nur zu markierten Haltungen zuordnen | Als Ziel kommen nur markierte Haltungen infrage |
| Ergänzen / Korrigieren | Ergänzen: nur bisher nicht zugeordnete Flächen werden neu zugewiesen. Korrigieren: auch bereits zugeordnete Flächen werden neu bewertet und ggf. umgehängt |
Was wird grundsätzlich ausgeschlossen?
Unabhängig von der gewählten Methode kommen folgende Haltungen nie als Ziel infrage:
- Haltungen, die laut ihrer Konfiguration keine Zuflüsse erhalten dürfen (z. B. bestimmte Sonderleitungen)
- Entlastungs- und Ablaufhaltungen an Sonderbauwerken (Überlauf, Notauslass) – diese führen bereits vorhandenes Wasser ab und sollen keine zusätzlichen Direktzuflüsse bekommen
- Haltungen, die in der aktuell gewählten Berechnungsvariante gar nicht existieren
- Haltungen mit falschem Entwässerungssystem (wenn z. B. nur nach Mischwasserhaltungen gesucht wird)
- Gebiete, die bereits einem Bauwerk zugewiesen sind, oder das „Außengebiet" (das Gebiet außerhalb aller Flächen)
Kurzentscheidung: Welche Methode wählen?
| Situation | Empfohlene Methode |
|---|---|
| Saubere Flächenpolygone direkt über den Haltungen | Haltungsweise |
| Flächen liegen nicht direkt über Haltungen, aber Nähe ist aussagekräftig | Gebietsweise |
| Bewegtes Gelände, Fließrichtung weicht von reiner Nähe ab | Nach Geländemodell |
| Externe Flächendaten (Namen/Größen) müssen mit Geometrie verknüpft werden | Nach Daten |
In der Praxis wird häufig zuerst Methode 1 oder 2 für den Großteil der Flächen angewendet, und für die verbleibenden, nicht zuordenbaren Fälle wird manuell nachgearbeitet oder Methode 3/4 ergänzend genutzt.